• Hector Fellows

    Ausgezeichnete Spitzenforscher*innen aus den MINT-Fächern.

Dem Corona-Blocker auf der Spur

Wissenschaftspreis der Hector Stiftung geht an Prof. Dr. Patrick Cramer


WEINHEIM. Prof. Dr. Patrick Cramer erhält in diesem Jahr den mit 150.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Hector Stiftung. Die Jury würdigt damit die herausragenden Leistungen des 51-Jährigen, der am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen als Leiter der Abteilung für Molekularbiologie tätig ist. Mit seinem Team forscht Patrick Cramer auf dem Gebiet der Gentranskription. Mithilfe dieses Kopiervorgangs erstellen lebende Zellen Abschriften ihrer Gene, die als Bauanleitung für die Produktion von Proteinen dienen. Im Fokus von Cramers Forschung stehen die molekularen Maschinen, RNA-Polymerasen genannt, die diesen Kopiervorgang steuern.

Patrick Cramer hat die Strukturen vieler dieser zellulären Kopiermaschinen erstmals in atomarer Auflösung sichtbar gemacht. Der gebürtige Stuttgarter konnte aufklären, wie die RNA-Polymerasen die genetische Information übersetzen. Mit seiner Forschung möchte er auch aufdecken, wie die zellulären Kopiermaschinen gesteuert werden. Zwar ist die genetische Information in allen Zellen identisch, aber sie wird ganz nach Bedarf abgerufen. Erst durch diese präzise Kontrolle der Transkription kann sich ein komplexer Organismus mit so verschiedenen Spezialisten wie Haut-, Nerven- oder Leberzellen entwickeln. „Es ist sehr spannend, dass wir jetzt beginnen, die Prinzipien zu verstehen, die der Genregulation zugrunde liegen“, berichtet der Molekularbiologe.

Ein weiterer Fokus seines Teams liegt auf der Erforschung der Corona-Polymerase. Kurz nach Ausbruch der Pandemie in Europa filmte Cramers Gruppe, wie das Coronavirus sein Erbgut verdoppelt. Auch gelang es Cramers Team, sichtbar zu machen, wie das Medikament Remdesivir in diesen Kopierprozess eingreift. Remdesivir wurde in Europa und den USA als erster Wirkstoff zur Behandlung von Covid-19-Infektionen zugelassen. Entsprechend große Hoffnungen ruhten darauf. Cramers Team fand heraus, dass Remdesivir zwar das Kopieren des viralen Erbguts stört, diesen Vorgang aber nicht vollständig blockiert. „Das erklärt zumindest zum Teil, warum das Medikament nicht so wirksam ist, wie man erwartet hatte“, sagt der Max-Planck-Direktor und fügt hinzu: „Eines unserer nächsten Ziele wird sein, Moleküle zu entwickeln, die die Corona-Polymerase besser hemmen können.“

Normalerweise findet die Verleihung des Hector Wissenschaftspreises im Hotel Europäischer Hof in Heidelberg statt. Doch wegen der Pandemie trafen sich der Vorstand der Stiftung und das Präsidium der Hector Fellow Academy diesmal in einem virtuellen Rahmen, um den neuen Preisträger auszuzeichnen. In seiner Laudatio erklärte Prof. Dr. Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik Dr. von Haunersches Kinderspital München und Hector Fellow seit 2014, dass sich die Jury aus gutem Grund einstimmig für Patrick Cramer als Preisträger ausgesprochen habe: „Seine Forschungsarbeiten leisten einen prägenden Beitrag für die Lebenswissenschaften und für die interdisziplinäre Zusammenarbeit.“ Stifter Dr. h.c. Hans-Werner Hector hieß Patrick Cramer als 25. Wissenschaftler im Kreis der Hector Fellows willkommen.

Pressemitteilung der Hector Stiftung II