• Hector Fellows

    Ausgezeichnete SpitzenforscherInnen aus den MINT-Fächern.

Dank seiner Forschung ist Hepatitis C heute heilbar

Wissenschaftspreis der Hector Stiftung geht an Prof. Dr. Ralf Bartenschlager aus Heidelberg

v.l.: Senator e.h. Dr. h.c. Hans-Werner Hector, Josephine Hector, Prof. Dr. Ralf Bartenschlager, Theresia Bauer

HEIDELBERG/WEINHEIM. Prof. Dr. Ralf Bartenschlager von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg erhält in diesem Jahr den mit 150.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Hector Stiftung. Die Jury zeichnet damit seine herausragenden Leistungen in der klinisch-medizinischen Grundlagenforschung aus. Dank seiner Arbeit ist Hepatitis C heute bei mehr als 95 Prozent der Patienten heilbar. Außerdem hat er mit seinem Team wichtige Beiträge zur Erforschung des Denguefiebers geleistet, der weltweit häufigsten durch Stechmücken übertragenen Viruserkrankung.

Im Namen der Landesregierung dankte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bei der festlichen Preisverleihung im Hotel Europäischer Hof in Heidelberg den Stiftern Josephine und Dr. h.c. Hans-Werner Hector „für ihr außergewöhnliches Engagement für Wissenschaft und Forschung“. In der Laudatio für Bartenschlager hob die Ministerin hervor, dass der 58-Jährige nicht nur wissenschaftliche Höchstleistungen erbringe, sondern auch bei den Studierenden die Leidenschaft für die Grundlagenforschung wecke. Die erfolgreiche Arbeit des gebürtigen Mannheimers sei zudem ein Beispiel für die Freiheit der Wissenschaft. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in den USA und den neuen Präsidenten Donald Trump warnte sie die Politik davor, sich in deren Belange einzumischen. „Wissenschaft ist das Gegenteil von Populismus“, sagte Bauer. Denn sie stehe für Innovation und globale Verantwortung, für komplexe Zusammenhänge und die ständige Überprüfung von Lösungen anstelle von einfachen Antworten oder gar „alternativen Fakten“.

1999 war es Bartenschlager erstmals gelungen, das Hepatitis-C-Virus im Labor zu vermehren. Da Viren Zellparasiten sind, die sich nur in lebenden Zellen vermehren, war dies für die Erforschung des Hepatitis-C-Virus von entscheidender Bedeutung. Nun konnte Bartenschlagers Team untersuchen, welche Faktoren bei der Vermehrung dieses Virus eine Rolle spielen und welche Substanzen dessen Vermehrungszyklus stoppen können. Damit war die Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten gegen die chronische Hepatitis C geschaffen, die nach und nach die Leber zerstört und damit zur Leberzirrhose oder gar Leberkrebs führen kann. Aktuell beschäftigt sich Bartenschlager unter anderem mit der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Hepatitis C. Außerdem liefern seine Arbeiten neue Erkenntnisse über chronische Infektionen mit anderen Viren, zum Beispiel dem Hepatitis-B-Virus.

Bartenschlager forscht und lehrt seit 2002 an der Universität Heidelberg. Er ist dort Leitender Direktor der Abteilung „Molekulare Virologie“ am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums. Seit 2014 leitet er zudem am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Abteilung „Virus-assoziierte Karzinogenese“, die sich mit dem Prozess der Entstehung von Tumoren bei chronischen Viruserkrankungen beschäftigt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Leberkrebs, welcher weltweit eine der häufigsten Ursachen für krebsbedingte Todesfälle ist.

Der Heidelberger Hochschulprofessor wurde für seine Forschungen wiederholt ausgezeichnet. So erhielt er 2016 den Lasker-DeBakey-Preis, die höchste Auszeichnung der USA für klinisch-medizinische Forschung.

Mit der Verleihung des Wissenschaftspreises der Hector Stiftung wurde Bartenschlager zugleich in den Kreis der „Hector Fellows“ aufgenommen, dem nunmehr 22 Wissenschaftler angehören. Auch wenn die Forschungsgebiete der Preisträger verschieden sind, so verbindet die „Fellows“ – neben der herausragenden Qualität ihrer Arbeiten – das hohe Engagement in der Lehre. Diese Kombination ist der Hector Stiftung besonders wichtig. Aus diesem Grund wurde 2014 auch die „Hector Fellow Academy“ aus der Taufe gehoben. Sie dient den Preisträgern als Forum und bietet Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, eigene Projekte – unter der Betreuung eines „Hector Fellow“ – als Doktorand zu bearbeiten. Weiterhin werden Postdoktorandenstellen in Verbindung mit fachübergreifenden Projekten mehrerer Hector Fellows geschaffen.

Pressemitteilung der Hector Stiftung II